JP Morgan gibt einen Ausblick auf die Berichtssaison im japanischen IT-Service- und Telekommunikationssektor: Cybersicherheit steht im Fokus, unbekannte Aktien stehen vor einer möglichen Aufholjagd.
Matthew Henderson, Analyst bei JPMorgan, hat einen aktuellen Forschungsbericht veröffentlicht, in dem er einen umfassenden Ausblick auf die bevorstehenden Quartalsberichte für den Zeitraum Juli bis September im japanischen IT-Service- und Telekommunikationssektor gibt.
GermanFinance APP hat erfahren, dass der Analyst Matthew Henderson von Morgan Stanley einen aktuellen Forschungsbericht veröffentlicht hat, der einen umfassenden Ausblick auf die bevorstehenden Quartalsberichte des japanischen IT-Service- und Telekommunikationssektors für das dritte Quartal (Juli bis September) bietet. Der Bericht stellt fest, dass Cybersicherheit zuletzt zum zentralen Fokus der IT-Servicebranche geworden ist. Seit September 2026 ist die Anzahl der Netzwerkausfälle durch Cyberangriffe japanischer Unternehmen stark gestiegen. Jede Ankündigung, die darauf hindeutet, dass die Gewinne vom Cybersicherheitsthema profitieren könnten, kann als qualitativer Katalysator wirken. Auf Einzelaktienebene sieht Morgan Stanley Otsuka Shokai als das einzige Unternehmen, das mit einer positiven Überraschung bei den Gewinnen überzeugen könnte, während BIPROGY und NTT möglicherweise negative Marktreaktionen auslösen könnten.
Cybersicherheits-Thema gewinnt an Bedeutung – Otsuka Shokai als einziges Unternehmen mit Potenzial für Gewinnüberraschungen
Im Bericht hebt Morgan Stanley hervor, dass die Zahl der Cyberangriffe auf japanische Unternehmen seit September 2026 stark zugenommen hat. Die Analysten gehen davon aus, dass die steigende Nachfrage nach Cybersicherheit für die beteiligten Unternehmen potenzielle Gewinnkatalysatoren darstellen wird. Otsuka Shokai ist laut Morgan Stanley das einzige Unternehmen, das in seinem Quartalsbericht eine positive Gewinnüberraschung liefern könnte.
Im Detail prognostiziert Morgan Stanley für Otsuka Shokai im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Ende Dezember 2026) einen Umsatz von 318,9 Milliarden Yen (plus 2,7 % gegenüber Vorjahr), was über der Konsensschätzung von 316,7 Milliarden Yen liegt; das operative Ergebnis wird auf 20,1 Milliarden Yen (plus 15,8 % gegenüber Vorjahr) geschätzt, deutlich über der allgemeinen Erwartung von 18,3 Milliarden Yen.
Der Unterschied zwischen den Prognosen von Morgan Stanley und dem Marktkonsens spiegelt laut dem Bericht vor allem unterschiedliche Annahmen zur Software-Bruttomarge im ersten Geschäftsjahr wider – Morgan Stanley geht von 17 % aus, was einem Anstieg von 1,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Annahme basiert darauf, dass die Sondersituation des Vorjahres (wie die GIGA-Schulprojekte mit niedrigen Margen und der Verkauf von PCs an Großunternehmen) abflauen wird.
Außerdem wird in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2026 das SCS-Bewertungssystem eingeführt (zur Bewertung von IT-Infrastrukturmaßnahmen für Unternehmen), das voraussichtlich die Nachfrage kleiner und mittlerer Unternehmen nach Sicherheitsdienstleistungen stimuliert – diese sind die Hauptzielgruppe von Otsuka Shokai.
NRI könnte positiv bewertet werden, BIPROGY und NTT könnten negativ wahrgenommen werden
Das Nomura Research Institute (NRI) wird von Morgan Stanley als Profiteur der gestiegenen Sicherheitsnachfrage betrachtet. Wenn NRI seine Auftragslage darlegen und seine Fähigkeit als Systemintegrator zur Lösung des Fachkräftemangels herausstellen kann, könnte der Markt positiv reagieren.
Morgan Stanley erwartet für das zweite Quartal bei NRI einen Umsatz von 218,2 Milliarden Yen (Konsens: 214,1 Milliarden Yen) und ein operatives Ergebnis von 45,2 Milliarden Yen (Markterwartung: 45,7 Milliarden Yen). Morgan Stanley sieht kaum Risiken für Enttäuschungen oder negative Überraschungen. Der Konsens für NRI ist relativ niedrig – jede Steigerung der Sicherheitsaufträge könnte als Kurstreiber wirken.
Im Gegensatz dazu erwartet Morgan Stanley, dass BIPROGY und NTT eher negative Marktreaktionen auslösen könnten.
Für BIPROGY erwartet Morgan Stanley im zweiten Quartal einen Umsatz von 117,7 Milliarden Yen (Konsens: 120,9 Milliarden Yen) und ein operatives Ergebnis von 12,4 Milliarden Yen (Markterwartung: 13,4 Milliarden Yen), beide Werte liegen unterhalb des Marktkonsenses. Besonders zu beachten sind folgende Faktoren: interne Systemkosten von ca. 200 Millionen Yen, PPA-Abschreibungen von Catalina Marketing Japan in Höhe von ca. 1 Milliarden Yen, und das Fehlen eines einmaligen Gewinns von etwa 1 Milliarden Yen aus dem BankVision-Projekt im Vorjahr.
Für NTT erwartet Morgan Stanley im zweiten Quartal ein operatives Ergebnis von 439,8 Milliarden Yen (minus 18,5 % gegenüber Vorjahr), was unter der Markterwartung von 464,4 Milliarden Yen liegt. Der hohe Vorjahresgewinn von etwa 130 Milliarden Yen aus Datenzentrumverkäufen könnte die Ergebnisse belasten, und obwohl NTT im September eine Preiserhöhung angekündigt hat, gibt es kurzfristig keine Kurstreiber.
OBIC Business Consultant könnte Gewinnmitnahmen erleben, Trend Micro Fokus auf ARR-Beschleunigung
Morgan Stanley weist darauf hin, dass bei OBIC Business Consultant kurzfristig mit Gewinnmitnahmen zu rechnen ist. Die Aktie hat den angekündigten Preisanstieg aus dem ersten Quartal bereits verarbeitet, somit ist das kurzfristige Kurspotenzial begrenzt.
Für das zweite Quartal erwartet Morgan Stanley einen Umsatz von 14,3 Milliarden Yen und ein operatives Ergebnis von 6,3 Milliarden Yen – beides entspricht den Markterwartungen. Allerdings sieht Morgan Stanley für das Geschäftsjahr 2027 weiterhin Spielraum für Konsenserhöhungen (Prognose: 35,4 Milliarden Yen operatives Ergebnis, Konsens: 33,2 Milliarden Yen). Das zweite Quartal selbst dürfte wenig Highlights bieten, da der Preisanstieg als Kurstreiber bereits vorweggenommen wurde.
Im Falle von Trend Micro richtet sich der Marktfokus auf das beschleunigte Wachstum des ARR (Annual Recurring Revenue) sowie auf die Einschätzungen des Managements zu den Gewinneinträgen.
Morgan Stanley prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 75,7 Milliarden Yen (plus 10 % gegenüber Vorjahr) und einen operativen Gewinn von 10,6 Milliarden Yen (minus 33,8 % gegenüber Vorjahr), wobei das operative Ergebnis weitgehend dem Konsens entspricht. ARR stieg im ersten Quartal um 4,3 % und im zweiten Quartal um 5,7 %, Morgan Stanley sieht eine Bestätigung einer 8-prozentigen Steigerung im dritten Quartal und jede Ankündigung einer weiteren Beschleunigung auf 10 % im vierten Quartal als positives Signal. Allerdings bleibt das ARR-Wachstum in Japan begrenzt, während die Beschleunigung in Amerika und Europa bestätigt werden kann, und diese Entwicklung dürfte sich nicht ändern.
OBIC mit soliden Gewinnen, NS Solutions profitiert von Einmalfaktoren
Für OBIC erwartet Morgan Stanley im zweiten Quartal einen Umsatz von 37,3 Milliarden Yen und einen operativen Gewinn von 25 Milliarden Yen, beides entspricht dem Marktkonsens. Das Gewinnniveau ist stark, eine negative Überraschung ist unwahrscheinlich. Morgan Stanley bewertet die hochwertige Wachstumsdynamik und die guten Aktionärserträge positiv und sieht noch Spielraum für einen höheren Bewertungsansatz.
Morgan Stanley prognostiziert für NS Solutions im zweiten Quartal einen Umsatz von 106,9 Milliarden Yen (plus 11,7 % gegenüber Vorjahr) und einen operativen Gewinn von 12,6 Milliarden Yen (plus 28,7 % gegenüber Vorjahr), was der firmeneigenen Guidance fürs erste Halbjahr entspricht. Die Steigerung entsteht vor allem durch Verteidigungsministerium-Aufträge und Infocom-Akquisitionen mit etwa 900 Millionen Yen an Übernahme- und PPA-Kosten. Morgan Stanley erwartet einen deutlichen Gewinnanstieg durch diese Einmalfaktoren, allerdings dürften diese bereits im Konsens eingepreist sein.
Ausblick: TIS, BayCurrent, SHIFT und weitere
Für TIS erwartet Morgan Stanley im zweiten Quartal einen Umsatz von 158,9 Milliarden Yen (Konsens: 156,7 Milliarden Yen) und einen operativen Gewinn von 20,9 Milliarden Yen (Markterwartung: 20,4 Milliarden Yen), was dem Marktkonsens entspricht. Für das zweite Quartal wird eine Anpassung der Jahresguidance um 1,5–2 Milliarden Yen nach oben erwartet (Umsatz 620 Milliarden Yen und operativer Gewinn 81 Milliarden Yen), was einen besseren Projektfortschritt widerspiegelt, aber Morgan Stanley zweifelt, ob dies als Kurstreiber ausreicht.
BayCurrent wird von Morgan Stanley für das zweite Quartal mit einem Umsatz von 45,7 Milliarden Yen (plus 33,8 % gegenüber Vorjahr) und einem operativen Gewinn von 13,6 Milliarden Yen (plus 22,9 % gegenüber Vorjahr) eingeschätzt, was leicht unter dem Konsens von 14,1 Milliarden Yen liegt. Die starken Fundamentaldaten sind laut Morgan Stanley bereits weitgehend eingepreist, das Kurspotenzial für positive Überraschungen bleibt begrenzt.
Für SHIFT prognostiziert Morgan Stanley im vierten Quartal (bis August 2026) einen Umsatz von 45,7 Milliarden Yen (plus 32,8 % gegenüber Vorjahr), eine Bruttomarge von 33 %, sowie einen operativen Gewinn von 4,6 Milliarden Yen (plus 23,6 % gegenüber dem Vorjahr). Für das Gesamtjahr wird ein bereinigter operativer Gewinn von 19,3 Milliarden Yen erwartet (Guidance: 20 Milliarden Yen), was knapp unter der Guidance liegt. Morgan Stanley sieht aufgrund von Großprojekten eine temporäre Steigerung der Saisonalität im vierten Quartal, rechnet aber nicht mit einer deutlichen Verbesserung der Marge zum Vorjahr. Das von SHIFT im dritten Quartal angekündigte Ziel für das bereinigte operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2027 liegt bei mindestens 25,5 Milliarden Yen („Minimum“) und idealerweise 30 Milliarden Yen („Ideal“), was der Schätzung von Morgan Stanley mit 27,5 Milliarden Yen entspricht. Das Zielmaß für die Bruttomarge von 34,5–35 % erscheint Morgan Stanley jedoch ambitioniert (eigene Prognose: 34 %).
Telekommunikationssektor: KDDI und SoftBank
Im Telekommunikationssektor erwartet Morgan Stanley für KDDI im zweiten Quartal ein operatives Ergebnis von 30,46 Milliarden Yen (Konsens: 31,40 Milliarden Yen), wobei das Ergebnis zwar niedriger als der Marktkonsens ausfällt, aber die starke Anzahl von Smartphone-Nutzern dürfte den Aktienkurs stützen.
Für SoftBank erwartet Morgan Stanley im zweiten Quartal ein operatives Ergebnis von 33,38 Milliarden Yen (minus 1,3 % gegenüber Vorjahr), der Konsens liegt bei 33,92 Milliarden Yen. Ein positiver Katalysator könnte darin liegen, dass die negative Entwicklung der Nettoverträge bei Smartphones beginnt, sich zu stabilisieren. Zudem wird für SoftBank im zweiten Quartal ein Gewinn aus dem Verkauf von SB Energy Global-Aktien in Höhe von etwa 8 Milliarden Yen erwartet, der bereits in der Prognose für das nicht-operative Geschäft berücksichtigt wurde.
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